

(LK) = Landkreis
(S) = Stadt
(G) = Gemeinde
(VGd) = Verbandsgem.
(OB) = Ortsbezirk
(Ot) = Orts-/Stadtteil

Von Schwarz und Rot durch silberne Leiste geteilt, oben ein silberner Reichsapfel mit silbernem Kreuz, unten ein sechsspeichiges silbernes Rad.
Das heutige Wappen von Nackenheim wurde 1984 und die dazugehörige Flagge 1987 vom Land Rheinland-Pfalz genehmigt. Das Wappen aber hat eine mehr als vierhundertjährige Geschichte, die im Jahr 1537 beginnt. Der Schultheiß und das Ortsgericht von Nackenheim waren bis dahin in Verlegenheit, wenn sie ein Schriftstück siegeln wollten. Sie hatten kein eigenes Siegel, das hatte nur der Ortsherr, das St. Stephanstift in Mainz. Da kam ihnen der Zufall zu Hilfe. Der Schultheiß fand einen silbernen Fingerring, damit konnte er einfache Briefe oder schriftliche Erklärungen siegeln. Das beanstandete aber der Amtmann des St. Stephanstifts in Nackenheim, der Junker Bernhard von Liederbach, und er klagte den Schultheißen und die Gerichtsschöffen am 9. Juli 1537 im Stiftskapitel an, dass sie gesiegelt hätten, obwohl sie „keyn eygen sigel“ haben.
Die Beschuldigten wurden zum 31. August vor das Kapitel geladen und richterlich vernommen. Der Schultheiß erklärte, sie hätten nur unwichtige Schriftstücke mit einem gefundenen Ring versiegelt ohne Betrugsabsicht und es sei auch kein Ungemach daraus entstanden. Er bitte für sich und die Schöffen um Verzeihung. Das wurde ihnen gewährt, den Siegelring mussten sie abgeben, er wurde zerschlagen und das Silber dem Schultheißen zurückgegeben.
1583 ließ das St. Stephanstift ein Nackenheimer Gerichtssiegel mit der Steinigungsszene des heiligen Stephanus herstellen.
In das Stempelbild wurde unten ein Nackenheimer Zeichen, ein querliegendes Petschaft, eingefügt. Das Petschaft, ein alter Begriff für Stempel, sollte wohl an den Siegelmissbrauch des Schultheißen erinnern.
Nach der Übergabe der Ortsherrschaft an den Mainzer Kurstaat erscheint 1612 und 1657 im Stempelabdruck das Mainzer Rad oben und unten das Nackenheimer Zeichen, das Petschaft.
Aber die Bedeutung dieses Zeichens wurde nach hundert Jahren offensichtlich vergessen. Beim Neubau des Rathauses erhielt der Schlussstein ein Wappenbild bei dem oben ein „Kugelgebilde“ als Nackenheimer Zeichen zu sehen ist, das aber deutliche Merkmale des Reichapfels zeigt. Allerdings ist am Rathausportal auf der Kugel kein Kreuz zu sehen. Es wird deshalb auch die Ansicht vertreten, dass es sich dabei um eine Boje handelt. Bojen wurden im Rhein zum Befestigen von Booten und als Halterung für Fischernetze verwendet.
Allerdings führte um 1752 die Kurpfalz, die zu Nackenheim als Grenzort besondere Verbindungen hatte, in ihrem Wappenschild den Reichsapfel als Zeichen ihres kaiserlichen Truchsessenamtes. Auf Pfälzer Münzen, die auch in Nackenheim im Umlauf waren, war auf der Rückseite der Reichsapfel geprägt. Den Nackenheimern war also der Reichsapfel auch als Pfälzer Zeichen bekannt.
Der Reichsapfel ist eine handliche Kugel (=Welt) mit einem aufgesetzten Kreuz (=Christentum), er gehört zu den Reichskleinodien und gilt neben dem Zepter als Insignie der Herrschaft. Das Original befindet sich heute in Wien; auf der Burg Trifels ist eine Kopie zu sehen. Der Kaiser verlieh seinen Kurfürsten ein Erzamt, das mit der Auszeichnung eines Machtsymbols verbunden war. So wurde dem Kurfürsten von der Pfalz das Ehrenamt mit dem Titel „Erztruchsess“, das war der oberste Aufseher über die kaiserliche Tafel, und dem Reichsapfel als Wappenzeichen übertragen.
Es lag für das Grenzdorf Nackenheim nahe, die Kurstaatssymbole - das Rad und den Reichsapfel - in sein Wappen aufzunehmen. Ein silberner Querstreifen in der Mitte zeigt die Landesgrenze an, oben der silberne Reichsapfel in Schwarz für Kurpfalz und unten das Rad mit sechs Speichen in Rot für Kurmainz.
Quelle der Beschreibung: Neues Nackenheimer Geschichtsbuch „Nackenheim – unser Dorf und seine Geschichte“, Auflage 2022, ISBN 978-3-00-072787-0, Kapitel 18 „Das Nackenheimer Wappen“.